Halloween

Veröffentlicht in Gesellschaft, Humor mit Tags am 28. Oktober 2009 von veci99

Nun basteln die Kleinen schon brav an gruseligen Kürbisköpfen. Der Handel freut sich auf Millionen Umsätze und einige lästern über die Amerikanisierung unserer Kultur. Alles Unsinn, Feste soll man feiern wie sie fallen, immer und überall.

Man muß ja nicht die tollsten und teuersten Kostüme kaufen, braucht auch nicht beim Unsinn Türenbetteln mitmachen. Aber ein zusätzlicher Tag zum Feiern ist schon etwas Schönes. Die Menschen gehen aus, alle sind happy, grade in solchen Zeiten ist es doch schön dem Alltag zu entfliehen.

Mir persönlich ist Halloween viel lieber als Allerheiligen. Ich mag Friedhöfe nicht besonders. Aber das gerade an diesem Tag alle die Gräber besuchen, jeder mit finsterer Miene herumläuft, dass finde ich gruselig. An liebe Verstorbene denkt man doch das ganze Jahr über. Da brauche ich keine Kerzen am Grab anzünden. Menschen die mir etwas bedeuten, die ich geliebt habe, die trage ich immer in meinem Herzen.

Und ich denke auch oft und gerne an sie. An meine geliebte Oma etwa, die leider viel zu früh verstarb, oder an eine ganz besondere Frau, die mir durch eine schwere Krankheit genommen wurde. Ja, ich finde, wenn ich beim Halloween feiern mit guter Laune an diese Menschen denke, dass sie vielleicht gerade von da oben runter schauen und sehen könnten, es geht mir gut und ich habe Freude am Leben. Da bin ich mir sicher, sie würden sich darüber sehr viel mehr freuen, als über eine Kerze am Grab und ein stilles Gebet.

Ich denke an die Menschen, wie sie im Leben waren, an die schönen guten Zeiten, an ihr Lachen oder Weinen, an ihre Augen, ihre Ausstrahlung.

Manchesmal wenn ich im Bett liege und nicht schlafen kann, da denke ich sehr gerne an diese wunderbaren Menschen. Und es tut gut, solche Gedanken zu haben, es tut meiner Seele gut, dass ich nichts von den wunderbaren Erlebnissen vergessen habe. Wehmut und Freude sind die Gefühle, die in solchen Momenten abwechselnd hochkommen.

Schlimm ist es nur, wenn man stirbt und keiner merkt es, keiner denkt an dich. Es wäre so, wie wenn du nie geboren wurdest. Daher ist es mir auch sehr wichtig, den Menschen die ich Liebe zu meinen Lebzeiten auch zu sagen, wie wichtig sie für mich sind.

Ich denke auch gerne an die Menschen, wo der Kontakt abgerissen ist. Gleich aus welchen Gründen, auch diese Menschen habe ich in mein Herz geschlossen und sie werden in meinen Gedanken und Herzen immer einen Platz haben.

halloween_kuerbis

Krise was nun?

Veröffentlicht in Gesellschaft mit Tags , am 12. Oktober 2009 von veci99

In diesen Tagen wird viel über die Krise geschrieben. Das Schlimmste wäre vorbei, wir haben sogar wieder Wachstum und die Auftragsbücher der Industrie werden wieder voller. Viele Betriebe kehren wieder zur Vollzeit zurück. Alles erfreuliche Meldungen, wenn es leider nur die halbe Wahrheit ist.

Schauen wir doch ins Detail. Der Staat halt Geld für die Banken bereit gestellt, um die Finanzmarktsituation zu beruhigen. Dies scheint nun zu wirken, die Situation an den Geldmärkten scheint sich zu normalisieren.

Der Staat hat auch Geld für Infrastrukturmaßnahmen bereit gestellt, diese Verzögern sich leider, einfach weil die Planungsphase, die Bewilligungsphase viel Zeit in Anspruch nimmt und danach erst die Bauphase mit der Umsetzung beginnt. 

Insgesamt scheint mir, dass die Politik leider diese Krise nicht als Chance begriffen hat. Keine Initiativen in Umwelttechnologien, keine Projekte mit erneuerbaren Energien, warum Österreich nicht unabhängiger machen? Statt dessen wird sehr viel Geld in eine Pipeline gesteckt, die durch Krisengebiete verläuft und uns im Grunde nur noch stärker den Erdgasproduzierenden Ländern aussetzt.

Auch wurde die Chance auf eine Verwaltungsreform einfach vergeben. Hier könnten wir Geld einsparen, welches wir für die Rückzahlungen dringend brauchen werden. Aber es gibt doch ein Pröll oder Häupl nie und nimmer Macht auf und macht den Weg zu einer wirklichen Reform der Verwaltung frei.

Und man kann auch feststellen, dass wir die Chance jetzt in Bildung zu investieren, einfach vergeben. Wir liefern uns hier einer Gewerkschaft aus, die nur mehr alte Pfründe sichern und die weder den Weg für Junglehrer frei geben, noch mehr Stunden arbeiten wollen. Eine ganz traurige Bilanz, wäre es doch hier eindeutig als richtungsweisenden Weg in die Zukunft zu sehen. Eine Signalwirkung. Schaut her, wir nehmen viel Geld in die Hand um unsere Schüler und Studenten so gut auszubilden, dass sie im vereinten Europa gute Jobchancen hätten.

Und nun kommen wir zum wichtigen Thema Forschung. Ebenfalls wäre hier Geld in die Hand zu nehmen und verstärkt wie eingangs erwähnt, auf erneuerbare Energien zu setzen. Umwelttechnologie ist heutzutage doch längst der Markt, der berechtigte Wachstumshoffnungen trägt. Wo, wenn nicht in die Umwelttechnologie sollten wir in Österreich investieren?

Wir haben doch im Land einige Regionen, wo alternative Energie optimal genutzt wird. Güssing, oder im Waldviertel einige Gemeinden, oder aber auch in Kärnten, die gerade in diesem Bereich zu den Vorreitern Österreichs zählen.

Alles in allem haben wir die Krise hinausgezögert, das dicke Ende kommt erst, wenn wir diese horrenden Staatsschulden zurückzahlen müssen. Scheinbar dürfte es hier schon zu einem Schulterschluss zwischen ÖVP und SPÖ geben. Zahlen werden wie immer die kleinen, die Dummen, die ohne Lobby. Also die Steuerzahler, die noch Steuern zahlen. Und klar werden auch die Pensionsbeiträge, sowie insgesamt die Sozialversicherungsbeiträge kräftig teuerer werden. Wie sonst sollten wir uns das Heer von Beamten und frühpensionierten ÖBBler die mit 52 Jahren in Pension gehen, leisten können?.

Insgesamt denke ich, wird das soziale Klima im Land deutlich kälter werden. Es wird mehr gesellschaftliche Spannungen geben, als uns lieb ist. Integration ist doch ein Thema, welches nur Emotionen schüren soll. Und hier müssen wir halt mit eine FPÖ rechnen, die noch deutlicher und ungenierter als bisher in diese Kerbe schlagen wird. Und die Orangenen und die Grünen werden zu Statisten degradiert. Die einen diskutieren welche Partei sie nun sein möchten. Die Anderen wie sie noch mehr Asylwerber unterbringen können.

Die Krise wird erst noch kommen und zwar deutlicher als wir alle uns in den schlimmsten Albträumen ausmalen.  

Kleines Witzchen

Veröffentlicht in Humor mit Tags am 5. Oktober 2009 von veci99

Keiner, Niemand und Blöd treffen sich bei Blöd in der Wohnung.

Keiner und Niemand gehen auf den Balkon und Keiner fällt herunter. Niemand ist völlig aufgeregt, rennt zu Blöd und sagt: „Blöd, Du musst einen Krankenwagen rufen, Keiner ist vom Balkon gefallen!“
Blöd rennt sofort zum Telefon, wählt die Notrufnummer und sagt: „Hilfe, helfen Sie uns, Keiner ist vom Balkon gefallen und Niemand hat es gesehen!“
Darauf der Sanitäter: „Sagen Sie mal, sind sie Blöd?“ -“ Ja

Wahnsinn

Veröffentlicht in Gesellschaft mit Tags am 18. September 2009 von veci99

ist wohl der passendste Ausdruck, die Geschehnisse dieses Abends mit einem Wort zu beschreiben.

Es war unser erster Spieltag in der Europa League – dem hochfrisierten UEFA Cup – mit einem „Heimspiel“ gegen den Hamburger Sportverein, der zu diesem Zeitpunkt die deutsche Bundesliga anführte. Das Wort Heimspiel deswegen mit Apostroph, weil die Umsiedlung ins, nicht gerade geliebte Happel Stadion – vorwiegend aus finanziellen Gründen – von der grün-weißen Fanszene mit Mißfallen, Skepsis und Befürchtung begleitet wurde. Sowohl in sportlichen wie auch supportmäßigen Belangen. Beides erwies sich – zumindest an diesem Spieltag – als unbegründet.

Die, diesem Spieltag würdige Choreographie, bestand zunächst in der Präsentation eines großen Rapid Wappen im zweiten Rang, welches von einem Ultras-Wappen und dem Wien-Wappen flankiert wurde. Als nächstes wurde ein Spruchband mit dem Text: „Rapid marschiert, Wien regiert, ganz Europa wird paniert!“ ausgerollt. Als krönender Abschluß tauchten die Ränge in der C/D Kurve in grüne (1. Rang), weiße (2. Rang) und wieder grüne (3. Rang) Plastikfähnchen ein. Ein kolossales Bild, passend zu dem Spiel!

Der Lärmpegel war schon vor Anpfiff des Spiels äußerst beeindruckend… Beim Warmsingen und Hüpfen beteiligten sich auch die seitlichen Sektoren. Dies ließ stimmungsmäßig doch einiges erwarten und hoffen, dass der Funke von C/D auch während der 90 Minuten weiter auf die anderen Stadionbesucher übersprang, und unserem Team eine rapidwürdige Unterstützung gaben – so wie es sich verdient hat und gewohnt ist.

So geschah es dann auch in der ersten Halbzeit. Toller Fahneneinsatz, laute und intensive Gesänge – ausgehend vom 1. und 2. Rang C/D – hallten durch das Happel–Oval. Beim „wer nicht hüpft, der ist aus Hamburg….“ beteiligte sich immer wieder das komplette (!) Stadion (natürlich außer dem Gästeblock im 3. Rang A) und hinterließ bei den Hanseaten wohl nur staunende Gesichter. Die Rahmenbedingungen für einen grandiosen Fussballabend in grün-weiß waren gegeben, nun lag es an der Elf am Feld nachzuziehen. Und dies geschah dann auch in sehr beeindruckender Form.

Zunächst konnte Jelavic alleine aufs Tor laufend und den Hamburger Goalie überspielend, keinen Torjubel auslösen, weil sein Schuß ins leere Gehäuse noch auf der Linie von einem heranstürmenden Verteidiger abgewehrt werden konnte. Einige Minuten später war es der Genieblitz von unserem geliebten Kapitän Steffen Hofmann, der einen Freistoß von schrägem Winkel direkt ins lange Eck donnerte. Zig-tausende Menschen im Stadion schrieen, hüpften, lagen sich in den Armen, weinten vor Freude und vieles mehr… Kurzum ein Torjubel, den der Prater (wenn überhaupt) schon lange nicht mehr erleben dürfte. Doch dies war erst der Beginn…!

Noch in der ersten Halbzeit führte eine – aus unserer Sicht gesehen – glückliche Verkettung von Fehlern in der HSV Abwehr zum 2-0! Unser Euro-Goalgetter Jelavic brauchte den Ball nur aus kurzer Distanz ins Tor kicken. Nach einem weiteren intensiven Torjubel, verfestigte sich langsam der Gedanke, dass hier und heute tatsächlich etwas sehr großes Entstehen kann. Ein Abend, von dem noch lange erzählt werden mag.

Während man vor und zu Beginn des Spiels die mitgereisten Hamburger sehr wohl vernehmen konnte, war es spätestens nach dem 2-0 aus mit der Herrlichkeit. Der kollektive ohrenbetäubende Lärm von B/C/D/E übertönte die – wohl mehr oder weniger lauten – Gesänge im Auswärtssektor. Zu Beginn der zweiten Halbzeit sorgte der Gästebereich zwar für ein optisches Highlight, als die aktiven Gruppen ihren Bereich mit Bengalen erhellten, aber das war es dann auch schon wieder.

In der zweiten Hälfte drückten die Hamburger vermehrt Richtung Rapid-Tor, jedoch stand unsere Abwehr perfekt. Zu einer richtigen Torchance kam der Gegner erst gar nicht. Rapid konzentrierte sich aufs Kontern.

Die 75. Minute markierte einen weiteren Höhepunkt des Spiels. Fast 50.000 Fans klatschten die Rapidviertelstunde ein. Ein kollektives, rhythmisches Klatschen, dass eher an Kanonendonner oder Fabrikslärm erinnerte. Wenn einem Rapidspieler dabei nicht die Gänsehaut überkam, war er nicht aus Fleisch und Blut. Mit Beginn dieser letzten 15 Minuten kam unser jüngster Spieler am Feld – Drazan – nach einem weiten Abschlag von Payer zum Ball und gab ihn erst in Form eines Weitschuß Richtung HSV-Tor ab. Der Tormann mochte den Ball nicht parieren und so stand es 3-0. Die Gesichter nach diesem Tor ähnelten jenen in Salzburg, beim legendären 0-7: Ein Staunen, ein Grinsen, unpackbare Gefühle, und die Ungewißheit nicht doch zu träumen oder im Himmel zu sein… Mit einem nicht enden wollenden Lachen auf dem Gesicht, wurden die letzten Minuten supportet. Man war einfach nur unbeschreiblich glücklich. Auch wenn man optimistisch ins Spiel gegangen ist – da wir „zuhause“ jeden Gegner schlagen können – hat niemand mit so einer grandiosen Vorstellung und einem drei-Tore-Unterschied gerechnet.

Das Foto des Endergebnisses auf der Anzeigetafel wird bei allen Besuchern wohl einen besonderen Stellenwert in ihrer Fotosammlung haben und beim Betrachten noch lange ein glückliches und geiles Gefühl auslösen!

Kurz vor Abpiff gab es dann noch eine Schalparade zu bewundern, die sich lückenlos um das gesamte Happelstadion erstreckte. A/B/C/D/E/F tauchte in ein Meer von Grün und Weiß.

Die Mannschaft verabschiedete sich von uns, tanzte und sang mit uns, schwenkte unsere Fahnen und genoß den Augenblick des Triumphes!

Ein Abend, in dem ein geiler Höhepunkt einen anderen ablöste!

ALLES ZITTERT VOR RAPID !

Blecha & Kohl

Veröffentlicht in Gesellschaft mit Tags , am 17. September 2009 von veci99

Es gibt sie doch, die Muppet Show. Die beiden Herren in der Loge, die immer kritisieren, heißen in Wahrheit Blecha & Kohl. Traute Zweisamkeit zweier ideologisch verschiedenen Parteien. Einig nur in der Koalition gegen die Junge Generation. Einig im Streben nach Privilegien, die immer auf Kosten der nächsten Generationen gehen.

Was geht in solchen Köpfen eigentlich vor? Sie waren als Politiker doch verantwortlich, unser Pensionssystem so umzugestalten, dass auch die nachfolgenden Generationen noch gesicherte Renten erhalten sollten. Doch wie schaut dies in der Realität aus? Zwei Erwerbstätige müssen heute bereits einen Pensionisten finanzieren.

Wie ungustiös und unsolidarisch ist es eigentlich, in Zeiten der Krise, wo wir alle erhebliche Einbusen hinnehmen müssen, völlig ungeniert einen eigenen Index als Argument für eine Pensionserhöhung zu fordern? Wie dreist ist es denn Herr Kohl und Herr Blecha, sich auf eine Studie der OECD hinzuweisen, im wissen, dass es sich um eine bereits völlig veralterte Studie handelt.

Für wie dumm halten uns diese beiden Herren mit ihren Organisationen?

Bestimmt denken diese beiden Herren, egal was kommt, für mich wird es noch reichen und hinter mir die Sinnflut. Aber aufgepaßt meine Herren!

Die junge Generation läßt sich nicht mehr ruhig stellen. Wir leben im Zeitalter des Internet, der mobilen Kommunikationswelt. Wir werden uns zusammen schließen und einmal klar und unmißverständlich unseren Standpunkt klar machen.

Wir, die junge Generation, die unter 50 jährigen, werden uns nicht mehr auf der Nase herumtanzen lassen. Keine Frühpensionen mehr, keine Propagandatricks in Sachen Pensionen. Wir wollen, wir fordern, dass ein System in Anwendung gebracht wird, dass leistbar ist und nur das Ziel hat, auch den jüngsten unter uns, ein annähernd soziales Pensionssystem zu hinterlassen.

Und weil es auch gerade hier reinpaßt, wie schaut es denn im Gesundheitswesen aus? Wer verursacht hier denn diese horrenden Kosten? Wir sollten eine faire Generationsdebatte beginnen. Ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder Probleme schön zu reden.

Reisebericht Birmingham

Veröffentlicht in Gesellschaft, Humor mit Tags , am 29. August 2009 von veci99

Mittwochmorgen, ca. 7:30 Treffpunkt am Flughafen München mit meinen 3 Reisekollegen. Alle noch mit deutlichen Abdrücken des Kopfpolsters im Gesicht aber bereits bemerkenswerter Motivationspegel. Eingecheckt, Gepäck aufgegeben, Duty free geplündert, Sitzplatz in einem Restaurant gefunden. 3 Erdinger Weißbier und 1 Bretzen auf nüchternen Mangen sollten für vortreffliche Stimmung sorgen. Einnahme der zuvor voll besetzten Raucherzone durch 4 lautstarke asoziale Wiener Proleten. Das erste highlight die Passkontrolle. Zwei meiner Mitreisenden vertauschten ihre Dokumente und bemerkten diesen Umstand erst, als der zweite beim Durchgehen vom Polizisten mit falschem Vornamen angesprochen wurde. Offenbar sind auch die bayrischen Bullen überarbeitet. Meine Passkontrolle führe dazu, dass ich einen fanatischen Bayern und Red Bull Hasser in Uniform kennen lernte, der RAPID das wünschte was einen Tag später passieren sollte, den Triumph über die Inselaffen. Ein herrliches Erlebnis, das uns noch weiter Motivation einhauchen sollte.

Der Flug gestaltete sich turbulent, ein durchaus bekannter User dieses Forums sollte dafür sorgen, das mit den 4 RAPIDlern im Flieger eine Stewardess völlig ausgelastet wurde. Nachdem der Biervorrat des Flugzeuges vernichtet wurde, und auch das „catering“ fest in Wiener Hand war, führte der einzigartige Charme des Martin_1 auch noch dazu, das uns der gesamte Lebenslauf des Bordpersonals bekannt wurde. Die lautstark im gesamten Flugzeug verkündete Verbindung aus Speisenwahl und sexueller Ausrichtung (Truthahn= hetero, Käseweckerl = Schwuchtel) führte dazu, dass die Lufthansa auf den Käsesandwichs sitzen blieb und Truthahn rasch „ausverkauft“ war. Die Tatsache, dass alle Passagiere die alkoholfreie Getränke bestellten, ausgebuht wurden, führte wohl zu massivem Alkoholkonsum beim Piloten, der bei der Landung fast mit den Tragflächen die Landebahn streifte.

Angekommen am Manchester Airport (Flüge nach B’ham waren bei unserer Buchung schon aus) machte man sich auf die Suche nach einer geeigneten Transportmöglichkeit in die Heimstätte von Aston Villa. Alle Mietwagenbüros wurden aufgesucht, die Zuginformation belagert, der Taxistand heimgesucht. Auf Anhieb entstand eine gewisse Sympathie zu einem Taxilenker der sich als Tony vorstellte und zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass er wenige Stunden später zum Präsidenten der RAPID Sektion Manchester werden würde, und ein wichtiger Bestandteil unserer Eroberung des United Kingdom werden sollte. Langer Rede kurzer Sinn, nach kurzer Preisverhandlung die auf sofortiger, gegenseitiger Sympathie basierte, saß man im Taxi nach Birmingham und ließ sich in die Geheimnisse der Fanszene von Manchester City einweihen, wo der Chauffeur offenbar ein sehr aktives Mitglied ist. Telefonisch organisierte uns der Fahrer ein Hotel, das genau in der Mitte zwischen Stadion und „offiziellem Hotel“ gelegen war. Nun ja, 1 Stunde und 40 Minuten später bezogen wir unsere Unterkunft im Premier Inn in Birmingham. Die violette Tagesdecke, die über die Betten gespannt war, sucht da Hotelpersonal heute noch,… (Richie dein Zippo hat nichts damit zu tun,… :-)

Hunger, Durst und ein kurzes Telefonat mit bigjohn führten uns dann in das Stadtzentrum. Der Weg sollte uns in ein sensationelles Pub führen, wo wir um 5,99 Pfund einen gemischten Grillteller und unsere erste Pint Bier verabreicht bekamen. Bereits zu diesem Zeitpunkt fiel uns die Freundlichkeit, Offenherzigkeit und die Fussballverücktheit der Eingeborenen auf. Jeder Kontakt mit einem Einwohner Birminghams gereichte der Stadt und dem Land zur allerbesten Werbung. Hier erklärt man dir nicht einfach den Weg, man geht mit dir raus auf die Strasse, zeigt dir den Weg und geht wenn notwendig sogar bis zur nächsten Kreuzung mit. Wann immer man fragte wo wir herkamen, stellten wir die Geographiekenntnisse der Leute auf eine harte Probe. Der englische Name für unser Land darf ja uns gegenüber nicht ausgesprochen werden. Also mussten die Leute die richtige Aussprache von „Österreich“ lernen, um von uns nicht gelyncht zu werden. Immer wieder unterhaltsam. – im Mutterland des Fussballs verstand man aber nach kurzer Erklärung immer, dass unser Land und unser Erzfeind im Englischen gleich heißen, und daher Vorsicht geboten ist.

Nach Abschluss der Nahrungsaufnahme ging es dann zum offiziellen Hotel wo man einige Forumsuser traf und mit selbigen (Danke Klubservice!!) den off. Bus zum Abschlusstraining bestieg. Über eine Busfahrt mit bigjohn könnte man ein ganzes Buch schreiben. Jeder der das erlebt hat, weiß wovon ich rede – wer es nicht weiß, ich plane die Veröffentlichung eines Bestsellers zu diesem Thema,…

Das Stadion lässt alle Anwesenden vor Neid erblassen. Ein wahres Schmuckkästchen. Die Art und Weise wie man old style und Moderne miteinander kombinieren kann, ohne jemals kitschig zu werden ist beispielhaft. Auch wenn uns die Eingeborenen darauf aufmerksam machen, dass Birmingham FC der Kultverein ist und Aston Villa die Geldschweine sind, so hat sowohl Verein als auch Stadion eine bemerkenswerte Tradition und die Heimstätte der Inselaffen hat definitiv etwas für sich. Alle Tribünen mit 2 Rängen, liebevoll vom Verein mit Schriftzügen in Vereinsfarbe verziert. (man stelle sich vor, dass der Block West von der Stadionverwaltung so gestaltet würde, dass die unterschiedliche Farbe der Sitze den Schriftzug „Block West“ ergäbe. – Hammer!)

Das Abschlusstraining verläuft in bester Stimmung, die Spieler haben zwar angestrengt konzentrierte Gesichtsausdrücke, aber man merkt am unterschwellig dreckigen Grinsen permanent, wie sehr ihnen die „Mission Vernichtung der Inselaffen“ Spaß macht. Hier möchte ich besonders Mario Konrad hervorheben, dessen Dauergrinser selbst am zweiten Rang noch ansteckend wirkte. Es wird konzentriert gearbeitet, aber die gute Laune in der Mannschaft erfüllt uns mit absoluter Zuversicht. Der Glaube an sich selbst, drückt sich hier bereits deutlich aus.

Die Kommentare die von den mitgereisten 2 Tagesflieger Leuten in Richtung Spielfeld und auch sonst wo hin kamen, erspare ich euch, aber es gibt da gewisse unbestätigte Gerüchte, dass die performance des Stefan Maierhofer am nächsten Tag, auf die Konsumation eines Lollys und der damit verbundenen Ereignisse an Bord zu tun haben könnten,… Der Dialog zwischen Spielern und Fans ist bei RAPID eben ein Erfolgsgeheimnis,… :-)

Nach dem Training ging es mit den Bussen wieder zurück Richtung Hotel, und die Übernahme der Reiseleitung durch bigjohn, und das intensive „coaching“ des Buschauffeurs, der mit Fug und Recht der „Michael Schumacher der Busfahrer“ genannt werden darf, führten zu tumultartigen Szenen mit überdurchschnittlichem Unterhaltungswert. Die Kommunikation zwischen einem Erzwiener und einem „island monkey“ beinhaltet den Angriff auf die Lachmuskeln ganz automatisch. Hervorheben möchte ich die Entstehung der Freundschaft zwischen BJ und dem Buschauffeur:

BJ: what is your football team?
ein leicht eingeschüchterter Inselaffe flüstert ganz leise „Chelsea“
BJ, der die Antwort zwar verstanden hat, aber sie wohl als zu leise eingestuft hat: what!
der Busfahrer, der zuvor gleichzeitig SMS geschrieben hat, den Sitz von BJ gerichtet hat, und uns mit „wahnsinniger Geschwindigkeit“ durch die Tücken des Linksverkehrs chauffiert hat, zittert nun am ganzen Körper, wiederholt aber deutlich verständlich „CHELSEA FC!“ – noch immer nicht ganz sicher wie sein imposantes Gegenüber reagieren würde,…
BJ bricht in massive Freudenskundgebungen aus, und versucht den Busfahrer bei Tempo 100 im Ortsgebiet zu umarmen. Dies konnte jedoch mit Verweis auf unser aller Sicherheit gerade noch verhindert werden…
Die versuchte Mikrofondurchsage des BJ im Bus wird durch immer wieder gleich beim ersten Wort aufkommende Zwischenrufe in Stadionlautstärke unterbrochen. Da war doch irgendwas im off. 2 Tagesflieger wo sich ein gewisser Andy M. zu Wort melden wollte, und immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen wurde,… jaja, BJ – das hattest nun davon :-)

aus der Konversation zwischen Busfahrer und BJ möchte ich die besten Zitate veröffentlichen:
herst oida, you are all island monkeys!
fucking Insel!
herst, du fohrst auf da foischen Stroßenseitn.
Oida in des Tunnö kum ma ni eine, do homma a Cabrio nochher.
I waß net wos, du rauchst, oba konn I a wos davon hom.
Der Busfohra is leiwand, nüchtern oba voi drauf. Genau wie ich!
Herst du muaßt do obiagn, kennst di net aus?
Der fiührt uns jetzt in die Hittn von villa hardcore und don samma hin.
Herst Bernardo, der is Bum zua, und sitzt auf da foischen Seitn vom Bus.

jeder zweite Satz des Busfahrers war „fucking bastards“ – wir sind uns nach wie vor nicht sicher, ob er andere Verkehrsteilnehmer meinte oder uns, aber Leute die mit einem Reisebus mit quietschenden Reifen in einen Innenstadttunnel fahren, dürfen sowieso alles. Schade, dass der nur links fahren kann, weil sonst hätten wir ihn mitgenommen,… :-) Das anschließende Fotoshooting mit dem Busfahrer, deutet aber darauf hin, dass er uns auch mochte,… :-)

Der Abend verlief in netter Atmosphäre und belebte die umliegende Gastronomie, sowie die Hotelbar. Die Tatsache dass, Pubs um 24 Uhr nach wie vor, alle Gäste rausschmeißen führte dazu, dass Martin_1 und ich die ortsansässige afghanische Systemgastronomie hochleben ließen. Ein Chicken Burger von dem man eine Woche hätte essen können, um 2,99 Pfund, wäre eine Grund auszuwandern.

Der wahre Höhepunkt sollte aber noch kommen, denn der Matchtag selbst, stellte alles bisher da gewesene in den Schatten. Unsere kleine Gruppe teilte sich auf. Eine Hälfte fuhr zum Flughafen, die andere ins Stadtzentrum. Nachdem alle Flieger angekommen waren, wurden sämtliche Pubs, Strassen und Plätze im Stadtzentrum von B’ham besetzt und zur grün weißen Zone umgebaut. Was zu jeder Zeit positiv auffiel, war die Art und Weise wie die Einwohner mit uns umgingen. Wenn du beim Derbytreffpunkt am Reumannplatz in die Gesichter der Passanten schaust, siehst du in der Regel nur Angst und Unverständnis. Nicht so, in Birmingham. Grüppchenweise umherspazierende ältere Damen grinsten uns freundlich an, und wenn es zu Gesprächen kam, dann sprachen sie aus englische Fussballverücktheit und wünschten uns, dass wir die bastards von Villa aus dem Bewerb schießen. Die Sympathie und das Verständnis, dass uns allerorts entgegen gebracht wurde, war schon auch mal eine neue, und andere Erfahrung. Man hätte erwartet gehasst zu werden, doch ganz im Gegenteil alle waren fasziniert von diesem mob.

Um die Mittagszeit herum versammelte sich dann der Großteil der mitgereisten Grünen im Stadtzentrum von Birmingham und eine lautstarke Ehrenrunde durch die Stadt zu drehen und allen zu zeigen, wer heute Abend als Sieger vom Platz gehen würde. Schön zu sehen, wie so etwas ganz normal abgehen kann. Keine vermummten Staatshooligans in Rüstungen und mit drohend erhobenem Schlagstock sondern einfach nur ein paar Bobbys, die ebenfalls faszinierte Gesichtsausdrücke an den Tag legten und beeindruckt wirkten, wie friedlich und einfach nur supportgeil der mob von RAPID durch eine Stadt ziehen kann. Die Aufrufe der Vorsänger zu Disziplin und Konzentration auf das Wesentliche erzielte die beste Wirkung. Man hatte das Gefühl, dass sich alle der Aufgabe bewusst waren, und im Dienste und Interesse der Mannschaft und unserer Farben einfach nur alles geben würden.

Der Nachmittag wurde zum kollektiven Vorglühen und Einstimmen genutzt, bis man endlich zum Treffpunkt und Abfahrtsort der bereit gestellten Busse kommen konnte. Selbst bei der Einfahrt ins Stadion, wo man erwartet hätte, endlich mit ausgestrecktem Mittelfinger und sonstigen Hass Gesten begrüßt zu werden, verlief auf die mittlerweile gewohnte Art und Weise. Die Leute grinsten uns freundlich an, winkten und gaben uns das Gefühl von Respekt und Bewunderung. Dies führte dazu dass ein Busmitfahrer die Aussage „herst es Trotteln, wir san de onderen, es miaßts uns auspfeifen und schimpfen, sonst kenn ma uns net aus“ tätigte.

Ein highlight war der Einlass ins Stadion, der durch so kleine Eingänge vor sich ging, dass mancher nur mehr „da quer“ hinein gehen konnte. Als ich kurz vor der Tribüne war hörte ich bereits ein gellendes Pfeifkonzert und dachte, nun würde unsere Mannschaft einlaufen. Als ich wenige Momente später den oberen Rang erreichte, bemerkte ich, dass unser Block die Heimmannschaft „begrüßte“ was den neben mir gehenden Kollegen zu einem „herst, wir ham a Heimspiel in Birmingham“ sagen ließ. Beim Anblick der leeren Ränge gegenüber und neben uns, wurde mir das erste Mal bewusst, dass wir unseren Heimvorteil ganz einfach aus dem Hanappi mitgebracht hatten. Beeindruckend.

Obwohl man die Vorsänger des wichtigen, technischen Hilfsmittels „Megaphon“ beraubt hatte, und andere wichtige Supportmittel verboten waren, war stimmungsmäßig während der gesamten 90+ kein Nachteil zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Gut eingeschworen, hoch konzentriert, wusste jeder im Block was zu tun war, und vielleicht war es ganz genau dieser Umstand, der zu einer ekstatischen Leistung, des magischen Blocks führte. Leute, die man noch nie zuvor gesehen hatte, die man auf den ersten Blick als „Sitzplatzschwein“ ausmachen würde, gaben alles und noch mehr. Die Unterschiede der Tribünen verschwammen im gemeinsamen Bestreben eine übermenschliche Supportleistung zu bringen. Mein größter Respekt an alle Beteiligten sei hier nochmals zum Ausdruck gebracht.

Zum Spiel selbst sei angemerkt, dass man bis auf die ersten Minuten der zweiten Hälfte mit Aston Villa auf Augenhöhe mitspielte, frech und ohne jegliche Angst agierte, und die Zuversicht, die Sensation zu schaffen, unser ständiger Begleiter war. Hervorheben muss man die Herrschaften Soma, Hofmann, Drazan, Jelavic und Payer, die an diesem Tag, wie auch der Rest von Mannschaft und Block zu unsterblichen Helden wurden. Auch die Einwechslung des gewohnt (über)motivierten SM9 trug das Ihre zum Erfolg bei. Das Stellungsspiel und die Sicherheit des Ragnvald Soma verdient eine eigene Erwähnung!

Die Abwehr des ersten Elfmeters führte auf dem oberen Rang zu einem Jubel, der es mit jedem Torjubel hätte aufnehmen können. Als Nikica Jelavic das erlösende Tor erzielte, und die Mannschaft vor dem Block zum Jubeln zusammen kam, sah man auf den Heimtribünen fassungslose Gesichter. Wie sehr das Wechselspiel und die Wechselwirkung zwischen Fans und Mannschaft bei RAPID funktioniert, dürften 22.000 Engländer noch nie zuvor erlebt haben. Sprachlos starrten sie in unsere Richtung und waren fasziniert, wie sehr der 12.te Mann ein Bestandteil des Gesamtkunstwerks RAPID Wien ist. Diesen Eindruck bestätigte man uns in Gesprächen nach dem Spiel. Nachdem unser Folterknecht aus Spanien (Schiedsrichter) sich nach einer für uns stundenlangen Nachspielzeit die Pfeife zum letzten, alles beendenden Pfiff in den Mund steckte, brachen alle Dämme. Wildfremde Leute lagen sich in den Armen, kugelten über Sitze, Stufen und übereinander, schrieen zusammenhangloses Zeug, weinten, lachten, kreischten und erlebten schier unfassbare Emotionen. Gestandene Mannsbilder der Generation 40+ lagen sich weinend in den Armen und erlagen ihren Gefühlen. Es war vollbracht, trotz aller Fassungslosigkeit wurde klar, dass man etwas ganz Großes und Unvergängliches erreicht hatte. Willenlos umherwankende Leiber, ekstatisch verzerrte Gesichter und unverständlich kreischende Menschen fielen übereinander, wohin man auch schaute. Bis lange nach Schlusspfiff hatte die grün weiße Armee gezeigt, dass man die „fucking Insel“ erobert hatte. Sportlich und in allen Herzen. Die Mannschaft, und die an diesem Abend wichtigsten Protagonisten wurden endlos gefeiert, die Ausgelassenheit und Emotionalität der Spieler und Fans kannte keine Grenzen mehr. Vor dem Stadion, lange nach dem Schlusspfiff, wurde jeder bekannte und auch unbekannte Grüne gehalst, abgebusselt und mit dem Wunsch nach einer guten Heimreise verabschiedet.

Nun hieß es zurück in unser Hotel, Sachen packen, die restlichen Alkoholika vernichten und sich abreisefertig zu machen. Eine kleine, bescheidene Feierlichkeit, bei der wir uns alle 4 mit allgemeiner Sprachlosigkeit aber dem Wissen, dass wir bei einem der größten Momente in der RAPID Geschichte dabei waren, verkürzte die Wartezeit. In der Zwischenzeit meldete sich unser Taxifahrer Tony, telefonisch und krächzte ein „fucking villa“ und „welcome to Europa League“ ins Telefon. Als er beim Hotel ankam, fiel auch er uns um den Hals und beglückwünschte uns dazu dass wir die „fucking bastards“ aus dem Bewerb geworfen hatten. Nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir in Manchester an und eroberten singend und mit Tränen in den Augen die Abflughalle. Wenige Stunden später erreichten wir München, fielen uns nochmals um den Hals und verabschiedeten uns von einander, in dem Wissen, dass wir bei etwas ganz Besonderem dabei waren.

Danken möchte ich meinen 3 Mitreisenden, allen Bekannten und Unbekannten die wir auf der Insel trafen, der Mannschaft, dem Trainer, dem Klubservice und Andy Marek, sowie sämtlichen Inselaffen, die wir in 2 Tagen kennen lernten. Sie alle waren und sind Bestandteil eines unglaublichen Moments in meinem Leben!

Krems ist nicht Russland

Veröffentlicht in Gesellschaft mit Tags , am 23. August 2009 von veci99

RA Dr. Georg Burstmayr hat am 22/23.08.2009 in der Printausgabe Der Standard einen sehr interessanten Artikel zum Thema Todesschüsse in Krems geschrieben. Ich habe mich dazu entschieden, diesen Artikel auf meinem Blogg zu veröffentlichen mit der Bitte, denkt einmal in einer ruhigen Minute darüber nach, was euch Menschenrechte bedeuten. Ich meine damit, nicht Ankassbezigen eine Meinung zu einem bestimmten Thema bilden. Menschenrechte sind unteilbar und ür einen Staat wie Österreich, mit soviel Reichtum und wohlstand, sollten Menschenrechte unantastbar sein.

Das Vorgehen von Polizei und Justiz im Fall Krems mag strafrechtlich in Ordnung sein – In menschenrechtlicher Hinsicht fällt der Befund allerdings ernüchternd aus

Nach dem tragischen Polizeieinsatz in Krems muss nicht nur strafrechtliche Verantwortung geklärt werden. Diese Frage hat die Strafjustiz mit am Ende rechtskräftigen Urteilen zu beantworten, und bis dahin heißt es für alle Be- und Getroffenen, in Haft oder auf freiem Fuß: Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zur gleichen Zeit stellt sich auch, wenn auch derzeit kaum vernehmbar, die Frage nach der menschenrechtlichen Verantwortung des Staates. Diese Verantwortung ist in Artikel 2 der europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) klar definiert: „Das Recht jedes Menschen auf das Leben wird gesetzlich geschützt“, also „darf eine absichtliche Tötung nicht vorgenommen werden“. Zwar macht dieselbe Bestimmung davon gleich eine Ausnahme, wenn es darum geht, „eine ordnungsgemäße Festnahme durchzuführen oder das Entkommen einer ordnungsgemäß festgehaltenen Person zu verhindern“. Selbst dann muss es sich aber um eine „unbedingt erforderliche“ Gewaltanwendung gehandelt haben, sonst gilt wieder das Verbot. Es gilt zuallererst für Staaten und daher auch für Behörden und Organe.

Die EMRK ist integraler Bestandteil der österreichischen Verfassung, und ihr Artikel 2 bildet gleichermaßen die Richtschnur wie die Grenze jeden polizeilichen Handelns. Das ist an sich unumstritten – es ist die Polizei selbst, die stets betont, dass sie die größte Menschenrechts-Schutz-Organisation Österreichs wäre.

Auch die Polizei als Apparat und die dahinterstehende Republik Österreich müssen sich daher immer wieder der Frage stellen, ob sie das Recht auf Leben nicht verletzt haben. Diese Verletzung kann gleichermaßen aus dem Verschulden eines Beamten resultieren wie auch aus Mängeln in Organisation, Ausbildung oder Abläufen.

Menschenrechtliche Mindesterfordernis ist es jedenfalls, dass derartige Todesfälle untersucht werden: rasch, unabhängig und möglichst vollständig. Dass etwa Russland dies in den vielen Fällen ermordeter kritischer Journalisten nicht tut, ist daher auch ein schlimmer menschenrechtlicher Befund.

Kleine Pointe, hier durchaus nicht am Rande: Weil die EMRK in Österreich wortwörtlich in Verfassungsrang steht, legt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) mit der EMRK mit jedem seiner Urteile auch einen Teil unserer Verfassung aus. Seine Rechtsprechung hat daher in und für Österreich besonderes Gewicht. Nun zitiert der EGMR gerne einen englischen Rechtsgrundsatz: „Justice must not only be done, it must also be seen to be done.“ Frei übersetzt: Recht und Gerechtigkeit zu schaffen ist nicht genug – der Prozess dieser Herstellung muss auch sichtbar sein. Und das wird im Allgemeinen so verstanden, dass schon der bloße Anschein von Befangenheit ausreicht, um diesen Prozess zu kompromittieren, ein Urteil fragwürdig oder rechtswidrig zu machen.

Geruch von Befangenheit

Ob die Justiz und die sonstigen Behörden im Sinne der individuellen Strafverfolgung klug daran getan haben, manche Beteiligten sehr rücksichtsvoll zu behandeln, sei dahingestellt. Mag sein, dass es für die am Ende tatsächlich durchgeführten Strafverfahren keinen Unterschied macht. Für die Frage der staatlichen Verantwortung trifft das nicht zu. In welchem Verfahren auch immer diese geklärt werden sollte, den Geruch von Befangenheit wird es nicht mehr los. Vielleicht geschockt von der Wucht der Ereignisse – Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Beteiligten ungleich behandelt. Und zwar, während es für alle diese Beteiligten gleichermaßen hieß: Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wie krass diese Ungleichbehandlung war, wird deutlich, wenn man die Vorzeichen vertauscht. Denken Sie an irgendjemanden, der gemeinsam mit noch jemandem verdächtig wird, einen Polizisten tödlich angeschossen zu haben: Wie viele Tage würde die Polizei warten, bis er „vernehmungsfähig“ ist? Das allein hat jedes Verfahren zur menschenrechtlichen Wahrheitsfindung schon zu Beginn infrage gestellt. Fast vollends wertlos wird es durch die Tatsache, dass die Beamten nicht an Außenkontakten und Kontakt miteinander gehindert waren.

Daraus die Tatsache abzuleiten, sie hätten sich und ihre Aussage abgesprochen, wäre zwar völlig unzulässig. Staatliche Behörden haben aber zugelassen, dass der Anschein von abgesprochenen Aussagen entstehen musste. Sie haben damit auch den Eindruck zugelassen, dass ihnen die zweifelsfreie Klärung der Frage nach der individuellen, aber auch der staatlichen Verantwortung nicht wichtig ist.

Mit oder ohne drei Tage Bedenkzeit lassen sich für das Vorgehen von Polizei und Justiz im „Fall Krems“ sicherlich Gesetze, Verordnungen und Erlässe finden, aus denen es sich straf- und strafprozessrechtlich erklären lässt. In menschenrechtlicher Hinsicht ist der Befund momentan allerdings ernüchternd – Krems liegt nicht in Russland, trotzdem: Justice cannot be seen done. Dr. Georg Bürstmayr,  Printausgabe Der Standard 22/23/08/2009.

SK Rapid Wien : Aston Villa

Veröffentlicht in Gesellschaft, Privates am 19. August 2009 von veci99

Nun ist es bald soweit. Morgen Abend steigt das mit Spannung erartete Europacupspiel. Das Hanappi Stadion ist seit Tagen ausverkauft. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist sehr gut, der Neuzugang aus Norwegen hat sich gut eingelebt. Trainer Peter Pacult kann nahezu auf den gesamten Kader zurückgreifen.

Für mich ist dieses Spiel etwas Besonderes. Es gibt nichts schöneres, als Europacupflair im Hanappi. Toller Gegner, Fans die bereit sind, ihre Mannschaft zum Sieg zu peitschen.

Auf geht´s Rapid, kämpfen und Siegen!

Treffpunkt wie immer bei solchen Spielen beim Peschka, der Bahnhofswirt. Seit 30 Jahren treffen wir uns schon vor dem Spiel bei dieser Institution in Hütteldorf. Vor den Spielen ist dort immer schon eine freudig emotionale Stimmung unter den Fans. Wir alle sind uns der Stärke deines Gegners bewußt, trotzdem wir realistisch sind, sind wir davon überzeugt an diesem Abend Geschichte zu schreiben.

Wir werden siegen, das steht schon einmal fest. In St. Hanappi können wir jeden Gegner schlagen. Wir vertrauen auf unsere Heimstärke, wir werden vom Anpfiff an die Mannschaft unterstützen. St. Hanappi wird zu einem Tollhaus werden. Unsere Jungs kennen diese besondere Stimmung. Sie wissen, wir fordern totalen Einsatz und volle Attacke.

Soviel für heute, ob es dann letztendlich gereicht hat, wir nach dem Spiel einen Sieg feiern dürfen, dass wird sich Morgen herausstellen. Auf jeden Fall wird es ein spannender lauer Sommerabend im Kreise der großen Rapidfamilie. Im übrigen haben wir bereits einmal gegen Aston Villa gespielt. Wen das interessiert, der kann das im Rapidarchiv nachlesen. Drückt alle ganz fest die Daumen und glaubt an den Sieg!

Dress

Kottan ermittelt

Veröffentlicht in Gesellschaft am 5. August 2009 von veci99

In den letzten Wochen und Monaten konnte man vieles über die Polizeiarbeit in Österreich erfahren.

Da ist einmal der Fall Kampusch, wo sogar ein ehemaliger Präsident des Verfassungsgerichtshofes mehr oder weniger recht deutlich die Arbeit bei den Ermittlungen in diesem Entführungsfall kritisiert.

Da sind nun die Fälle, wo die Polizisten auf wehrlose Asylwerber hinprügeln und als dank im Innendienst weiterhin ihr dasein fristen dürfen. Nur so nebenbei der Fall Ofuma ist noch nicht vergessen.

Aber es gibt auch noch die vielen fälle des überschnellen Schußwaffengebrauch. Meistens kommen die Ermittler zum Schluß, das Opfer war selber schuld.

So wie jetzt in Krems, wo ein junger Mensch sein Leben verlor, weil sich ein Polizist nicht im Griff hatte.

Dazu kommen die Fähe der Intrigen, gegenseitigen Bespitzelungen und Suspendierungen unliebsamer weil unbeugsamer Beamten.

Noch weitere Beispiele gefällig?

Wie wäre es mit der Aktion Spring? Als großen Erfolg gefeiert viele Verhaftungen, glaube so an die 100 werden es damals gewesen sein. Es gab Abhörungen, Observationen, alleine die Qualität der Filmaufnahmen waren so desolat, dass sie vor Gericht nicht zur Beweiswürdigung herangezogen wurden. Es wurde aber seitens der Polizei großartig gefeiert, ja war eine tolle Polizeiarbeit, direkt anlehnend auf Kottan ermittelt.

Es wurden dann so weit ich mich erinnern kann, 4 oder 5 Personen zu kleineren Haftstrafen verurteilt. Viele Verfahren schleppten sich über Jahre.

Aufklärungsrate von Verbrechen nähert sich dem Nullpunkt. Statt dessen medienwirksame Planquadrataktionen, die außer enormen Kosten keinen Erfolg brachten.

Und ein Beispiel noch für die völlige kompetenzlosigkeit der Wiener Polizei, die ja immer so über Überstunden und zuwenig Beamten jammert.

Bitte gerne!

Sonntag, 3. August 2009 im Gerhard Hanappi Stadion beim Spiel Rapid gegen Kärnten. Es war ja im Vorfeld nicht zu erwarten, dass tauende Kärntner nach Wien zum Spiel pilgern würden, um ihre Truppe lautstark zu unterstützen. Selbstverständlich mußte man ja dafür vorsorgen. Für ein Dutzend Kärnten Fans wurden gezählte 50 Polizisten zur Sicherung des Auswärtssektors abkommandiert. Nur so nebenbei, es waren auch noch 14 Ordner in diesem Sektor.

Dass in dieser Situation kein junger Mensch den Wunsch verspürt, zur Polizei zu gehen, versteht sich von selbst. Die Personalsorgen sind also zu einem großen Teil durch die eigene Darstellung der Truppe mit dem negativen Image selbst verschuldet.

Noch nie war der Ruf der Polizei in Österreich so schlecht wie heute.

Danke! Habt ihr gut gemacht, sozusagen die Vorurteile bestätigt.

Und an die Beamten die in Krems einem jungen Menschen auslöschten, möge dieses Bild euch bis zu eurem Lebensende verfolgen!

Denn wer diesen Beruf ausübt, der sollte sich unter Kontrolle haben. Es gibt keine Entschuldigung für diese Tat.

Nichts Neues im Hause Österreich?

Veröffentlicht in Lebenserfahrung mit Tags , am 30. Juli 2009 von veci99

Sommerzeit bedeutet bei den Medien auch „Saure Gurkenzeit!. Dabei gäbe es heuer genug zu recherchieren und zu berichten. Leider scheint es so zu sein, dass sich kein seriöser Journalist traut, einmal nur nachzubohren und die richtigen Fragen zu stellen. Seien wir doch ehrlich, so dilettantisch wie in Österreich die politische Karste argiert, von den Medien dennoch todgeschwiegen, geschieht es uns recht, ordentlich zur Kassa gebeten zu werden.

Und wir zahlen brav und wählen zum Dank wieder die zwei Parteien, die nun schon wieder unfähig zur Zusammenarbeit zu sein scheinen. Jeder möchte sich auf Kosten des Anderen profilieren und ist sich nicht zu dreist, dies öffentlich zu inszinieren. Und die Medien machen dabei munter mit, ja sie überbieten sich geradezu beim Verbreiten dümmlichster Argumente der Politiker. Unrkitisch ohne Fragen zu stellen, werden diese Texte entworfen von Parteifunktionären abgedruckt. So sieht Qualitätsjournalismus in Österreich aus.

Wo bleibt der Sachverstand unserer Journalisten? Warum unterscheidet niemand zwischen Gewinn und Verlust? Wo bleibt der Aufschrei, wenn die Staatsanwaltschaft Aufklärung verhindert? Wie sicher müssen sich diese fühlen, dass sie so arrogant und selbstherrlich argieren?

Sommerzeit sollte ja im Grunde auch Zeit zur Erholung bieten. Doch die drohenden Wahlniederlagen der SPÖ läßt diese Politier nicht zur Ruhe kommen. Sie haben bisher ja Niederlage um Niederlage einstecken müssen und haben die Hosen vor den nächsten Wahlen gestrochen voll. Daher eilen sie lieber von Festspielveröffentlichung zu Festspieleröffnung, von Gipfelsiegen die durch Hubschrauberflug erreicht wurden bis hin zu Weinverkostungen oder sonstige Events. Nur damit ja ein Bild von ihnen in den Medien erscheint und sie uns so zeigen wollen, seht her, wir arbeiten ja eh für euer Geld.

Wo bleiben die Visionen, wo die Zukunftsthemen? Warum wird jetzt nicht darüber nachgedacht, wie das Defizit reduziert werden kann? Wo bleiben denn die Ideen, wo bleiben die politischen Diskussionen zu diesem Thema?

Ist es allen völlig egal, dass unser Defizit von 60 auf 80% des BIP steigt. Kann sich keiner Vorstellen, was diese Tatsache für unseren Staat in Zukunft haben könnte? Und nein, dies ist keine negative Denkweise, dies ist nur eine verantwortungsvolle Gedankenwelt eines Mannes aus der Wirtschaft.